Start Aktuelles & Projekte Kranzniederlegung am 08.03.2012 am Frauenehrenmal in der Neubrandenburger Oststadt
Montag, 23. Oktober 2017

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Kranzniederlegung am 08.03.2012 am Frauenehrenmal in der Neubrandenburger Oststadt

Dr. Eschebach Rede 8. März 2012 Neubrandenburg
Dr. Insa Eschebach

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frau Brettschneider,
sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Stadt, der Parteien und Fraktionen,

die Einladung des Demokratischen Frauenbundes, heute am 8. März 2012 hier an diesem Ort zu sprechen, hat mich sehr berührt und ich möchte Ihnen herzlich dafür danken. Es ist eine gute Tradition, dass Sie den Internationalen Frauentag hier in Neubrandenburg mit der Erinnerung das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück verbinden:

Hier an diesem Ort sind – wie Sie alle wissen – seit Ende 1944 Frauen bestattet worden, die an Entkräftung und durch Krankheit ums Leben gekommen sind. Vermutlich gehörten sie zu den Häftlingen, die Zwangsarbeit in der Neubrandenburger Rüstungsindustrie leisten mussten. Wer diese Frauen im Einzelnen waren, wo genau und unter welchen Bedingungen sie ihr Leben verloren und auf welche Weise sie an dieser Stätte beigesetzt wurden, sind Fragen, die bis heute noch nicht alle beantwortet sind. 

Ich zitiere: „In der Tat sah man auf der Straße viele Leichen in gestreiften Kleidern. Ohne hinzusehen, gingen wir an ihnen vorüber“, so erinnerte sich die Französin Micheline Maurel an ihre Befreiung aus dem Außenlager „Mechanische Werkstätten Neubrandenburg“, wo sie zwei Jahre bis April 1945 inhaftiert war.

Der Bildhauer Arnd Wittig hat 1975 diese Plastik „Trauernde Mutter“ gestaltet. Sie erinnert an die 1959 in der Gedenkstätte Ravensbrück errichtete Skulptur von Will Lammert, die Sie alle kennen: Die Tragende; im Jahr 1965 kam die „Müttergruppe“ von Fritz Cremer im Eingangsbereich der Gedenkstätte hinzu. Mütter waren nach 1945 ein verbreitetes Motiv in Mahnmalen und Denkmalen, die an die im „Dritten Reich“ Ermordeten erinnern sollten. Warum ist das so? Ich glaube, das Motiv der „Mutter“ hat nach 1945 deshalb eine so große Verbreitung gefunden, weil es Trost bietet, weil „die Mutter“ für Sozialität und Fürsorge steht und damit eigentlich für das ultimativ Gute - selbst da, wo es - wie im nationalsozialistischen Lagersystem – wenig Gutes, wenig Fürsorge gegeben hat.

Im Gegenteil, Hildegard Hansche, Gefangene in Ravensbrück, sprach von dem „Wolfsgesetz“, welches teilweise unter den Häftlingen geherrscht habe. Und Margarete Buber-Neumann:„Das Christentum behauptet, der Mensch werde durch Leid geläutert und veredelt. Das Leben im KZ hat das Gegenteil bewiesen. Ich glaube, nichts ist gefährlicher als Leid, als ein Übermass an Leid (…). Für das, was man ihnen antat, hielten sich die Frauen schadlos. (…) Voller Neid und Mißgunst blickte einer auf den anderen.“
Auch Micheline Maurel, die Französin, die ich bereits zitierte, hat nur wenige positive Erinnerungen an ihre Mithäftlinge in Neubrandenburg:

„Unter den Lagerinsassen gab es regelrechte Gesellschaftsklassen. Die Frauen, die zu essen hatten und nicht abgemagert waren, bildeten die Aristokratie. Zu ihr gehörten die Frauen, die Pakete bekamen, Paketfrauen genannt, die Küchenfrauen, die Blockovas, Stubovas und Kolonkowas.

Die Paketfrauen waren leicht erkennbar: sie schritten aufrecht dahin und trugen ein weisses, gut gebügeltes Kopftuch (…) Sie hatten Seife, so viel sie nur wollten, wuschen aber ihre Wäsche nicht selber. Die Frauen, die den ganzen Tag im Lager blieben, machten sich ein Vergnügen daraus, es für sie zu tun und ihnen abends die Wäsche sauber und trocken wieder auszuhändigen. Die Paketfrauen bekamen auch keine Ruhr, denn sie waren nicht auf die Lagersuppe angewiesen. Sie kosteten kaum davon und machten dann das Fenster auf. Dort standen immer hungrige Frauen, die mit hingestreckter Schüssel warteten.“

Diese Frauen, draußen vor der Tür, das waren, so Maurel, „die anderen Frauen, die niemals Pakete empfingen oder fast nie.“ Sie „schlugen sich recht und schlecht durch, wühlten in den Abfällen, wuschen sich ohne Seife, knackten ihre Läuse, wenn sie Kraft dazu hatten, stahlen, bettelten und starben.“

Sehr geehrte Damen und Herren, warum ist es wichtig, dass wir uns an Ravensbrück und an die Toten hier erinnern? Was bedeutet diese Erinnerung an das Leben und Überleben von Frauen in einem nationalsozialistischen Konzentrationslager heute?

Isa Vermehren, die 1944 nach Ravensbrück gebracht wurde, hat ihre Erfahrungen dort als ein „einziges, mich tief bewegendes und prägendes Lehrstück über den Menschen“ beschrieben. Wie Margarete Buber-Neumann, Hildegard Hansche und Micheline Maurel ist auch ihr das Leben im Lager wie ein einziger Kampf erschienen:

Es war „ein stummes Ringen aller gegen alle: wie wenn beim Untergang eines überfüllten Passagierdampfers zu viele Menschen auf einmal ins Wasser fallen und jeder sich nun vor dem Ertrinken zu retten versucht, indem er sich erbarmungslos auf die Schultern der neben ihm um ihr Leben Kämpfenden stützt.“

Isa Vermehren hat sich später – im Jahr 1993 - gefragt, ob Ravensbrück noch eine Botschaft habe und sie schreibt: „An dem Tag, an dem der Mensch zum Sklaven wird, verliert er die Hälfte seiner Seele. (..) Wer (in Ravensbrück) die stärkeren Ellbogen hatte, den skrupelloseren Egoismus, die größere Unverschämtheit im Lügen und Verleumden, der machte das Rennen. So wogte unter der Decke ein beständiger Kampf zwischen einzelnen Gefangenen, einzelnen Cliquen, politisch oder national gefärbten Gruppen.“

„Zwischen all diesen diversen Blöcken, Strömungen, Gruppierungen gab es (indes) wie Türme, die fest in der Brandung stehen, einzelne, meist alteingesessene Frauen (..), die vor allem den Neuankömmlingen in echter Fürsorge zu helfen versuchten, sich in dieser neuen Welt zurecht zu finden. Wohin gehört die Anpassung – und wohin der innere Widerstand, wenn man den äußeren schon nicht mehr leisten kann?“

Und Isa Vermehren resümiert: „Bewahre dir die Achtung vor dir selbst, wenn keiner sonst mehr Achtung vor dir hat. Halte auf dich, laß dich nicht gehen, weder innerlich noch äußerlich (..) Halte fest an deiner Hochschätzung des Menschen, indem du nicht aufhörst, den anderen zu achten.“

In der Welt der Konzentrationslager konkretisierte sich das Soziale, das menschliche Mit- und Gegeneinander in einer äußerst extremen und erschreckenden Form. Aber es gab auch „Türme, die fest in der Brandung stehen“, Momente der Solidarität und der Fürsorge, auf die die „Trauernde Mutter“ verweist. Nun gehören 67 Jahre nach der Befreiung Lager wie Ravensbrück und Neubrandenburg der Vergangenheit an. Warum also ist die Erinnerung an Ravensbrück wichtig?

Isa Vermehrens Diktum, man möge Achtung vor sich selbst bewahren, wenn keiner sonst mehr Achtung vor dir hat, gilt auch für unsere Zeit. Kernelemente der nationalsozialistischen Verbrechen wie Demokratieverachtung, Menschenrechtsverletzung, Antisemitismus und Sexismus sind keineswegs Teil einer überwundenen und vergangenen Vergangenheit, sie müssen immer auch als aktuelle Gefahr diskutiert werden. Wichtig ist die Garantie körperlicher Unversehrtheit von Frauen und Kindern und die Verabredung eines gewaltfreien Austragens von Konflikten. Wichtig sind Würde, Selbstachtung und Teilhabe – gerade auch von Frauen in politischen Entscheidungsgremien. Wichtig ist es, nach den Ursachen von sozialer Verachtung anderer zu fragen. Wichtig ist die Auseinandersetzung mit menschenfeindlicher Praxis in der eigenen Geschichte.

Viele von Ihnen, die Sie heute hier sind, der Demokratische Frauenbund sind in eben diesem Sinn tätig und aktiv. Zusammen mit meinen Kolleginnen und Kollegen von der Gedenkstätte Ravensbrück möchte ich Ihnen für Ihre wichtige Arbeit weiterhin alles Gute wünschen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.